Unser Bestattungsinstitut und was uns wichtig ist

Auf dieser Seite möchten wir erklären was uns wichtig ist und warum.

Als 1993 unser Vater plötzlich starb, waren wir voll Schock, Trauer und Enttäuschung.
Über die folgenden Jahre nach seinem Tod entwickelte sich in uns ein Traum, eine Sehnsucht, ein Gedanke, ein tiefes Gefühl der Berufung:

Ein Bestattungshaus, in dem man sich wohl und geborgen fühlt,
in dem man in einem sicheren, liebevollen Rahmen Abschied nehmen kann,
in dem man sich verstanden und trotz des enormen Verlustes zu Hause fühlt:
Ein Bestattungshaus, in dem der Mensch im Vordergrund steht.

Und so gründeten wir dieses Bestattungsinstitut in Stuttgart.

Das bedeutet für uns, dass wir uns für Angehörige einsetzen, Dienstleistungen anbieten, die zwar gebraucht, aber oft von einem Bestattungsunternehmen nicht erwartet werden. Das bedeutet da zu sein, auch mal ein wenig länger als nötig. Im Mittelpunkt steht der Mensch, im Mittelpunkt steht für uns Angehörigen die Gelegenheit zu geben, sich der Persönlichkeit entsprechend und in Ruhe zu verabschieden, sich auszusöhnen.

Menschliche Begleitung, angenehme Räumlichkeiten, Gastfreundlichkeit, Kaffee, Schokolade, ja – Zeit zu geben, ist zentral für uns; Menschen das Gefühl zu geben, dass sie aufgefangen werden und in ihrer Trauer nicht der Anonymität einer überwältigenden Bürokratie ausgesetzt sind.
Menschen in dieser Zeit zu beraten und zu entlasten ohne ihnen die wichtige persönliche, emotionale Beteiligung vorzuenthalten, ist manchmal eine Gradwanderung.

Wichtig für das Gelingen dieser Arbeit, für die richtige Mischung aus Anteilnahme, organisatorischer Kompetenz und Kreativität, sind unsere Mitarbeiter. Die Erstellung von Trauerdruck, das Aufgeben von Anzeigen, die Organisation von Blumen, Urkunden, Musikern, Pfarrern, Rentenabmeldungen, Übersetzungen, die Auswahl von Särgen, Sterbewäsche, Urnen, die Terminierung von Trauerfeiern, Grabauswahlen, Abholungen, Überführungen, Urnenbeisetzungen und was noch an Aufgaben gibt liegt alles in ihren Händen.

Die Dankbarkeit und, ja – Begeisterung unserer Kunden ist unser höchstes Gut und unsere tiefste Befriedigung.
Wir legen viel Wert darauf, Angehörigen im Trauerfall die Möglichkeit zu geben, den Verstorbenen noch einmal zu sehen und versuchen Raum zu schaffen für diese Begegnungen, Raum, um sich auszusprechen, sich auszusöhnen, den Verstorbenen zu berühren, den Tod bewusst wahrzunehmen.
Um Angehörigen zu helfen, bewusst und aktiv an der Gestaltung der Zeit zwischen Tod und Bestattung umzugehen, geben wir ihnen ein kleines Heft mit, das ihnen hilft, sich in aller Ruhe Gedanken zu machen. Es enthält Rituale und Vorschläge für die Bestattung. Mit eingeschlossen ist ein Teil, der besonders auf die Begleitung von Kindern in dieser Zeit eingeht, da diese oft übersehen werden und eine gute Begleitung hier sehr viel auffangen kann.

Egal ob es eine Beerdigung ist, eine Trauerfeier zur Feuerbestattung oder eine Urnentrauerfeier, unser Anliegen als Bestattungsinstitut ist Ihnen zu helfen diese Zeit so bewusst wie möglich zu gestalten.

Unter anderem sind vier unserer Mitarbeiter Theologen, die auch Hinterbliebene beraten, betreuen und in Zusammenarbeit mit den Angehörigen individuell gestaltete Trauerreden erarbeiten und halten. Die Bestattung soll zum Verstorbenen passen und ist so individuell wie sein Leben. So haben wir an Trauerfeiern manchmal Bilder ausgestellt, die die Verstorbene gemalt oder Modellflugzeuge, die der Verstorbene gebastelt hat. Wenn Angehörige die Feier selbst gestalten wollen, sind wir einfach im Hintergrund als Helfer da. Die Freiheit und die Zeit, mit Angehörigen passende Rituale zu entwickeln, ist wichtig in unserer Arbeit. Diese letzte Feier ganz im Sinne des Verstorben zu gestalten, in Zusammenarbeit mit all unseren Mitarbeitern Wege zu finden, die den Angehörigen ein gutes Abschiednehmen ermöglichen, ist immer wieder befriedigend für uns.
Dabei trennen wir im Trauerfall zwischen Organisation und seelsorgerischer Begleitung. Wer Bestattungen und Trauerfeiern organisiert kann nicht auch gleichzeitig die Trauerrede halten.

Manchmal ist Teil dieser Arbeit auch, im Trauerfall Angehörigen zu helfen, Schwierigkeiten in der Beziehung mit dem Verstorbenen, Enttäuschungen, Schuldgefühle auszusprechen, die dann bei einem Besuch bei dem Verstorbenen doch noch bereinigt werden können und so Trauernden zu ermöglichen, etwas freier in ihre Trauer zu gehen.

Natürlich bieten wir all die üblichen Bestattungsformen: Erdbestattungen, Feuerbestattungen, Seebestattungen, Beisetzungen im Friedwald und im Ruheforst sowie Überführungen im In- und Ausland.
Aber das bieten die meisten Bestattungsinstitute. Wesentlich für uns als Bestattungshaus ist die Art der Begleitung und Beratung. Wir stellen uns ganz auf Sie ein und versuchen auch in schwierigen Situationen gute Lösungen zu finden.

Wenn wir von Angehörigen hören: „Genauso hätte sie es gewollt“ oder gar „Das war das Schönste, was ich je erlebt hab“, wissen wir, dass wir unsere Arbeit nicht umsonst machen.

Weitergehende Trauerbegleitung bieten wir im Rahmen eines monatlichen Trauercafés an, zu dem wir Angehörige einladen. Treffpunkt ist ein zentral gelegenes, leicht zu erreichendes Café.

Hinterbliebene treffen sich, tauschen Geschichten aus, vergleichen Erfahrungen, weinen gemeinsam und lachen gemeinsam. Ein informeller, unstrukturierter Rahmen ist uns hier wichtig. Es geht nicht um Trauertherapie, es geht um einen gemeinsamen Lebensweg, den Betroffene am besten miteinander gehen können.

Unter dem Namen „Dem Leben begegnen“ gehen wir einmal im Monat mit Angehören ins Ballett oder die Oper, auf eine Stadtführung oder ins Museum. Ziel des Kulturkalenders ist es Trauernden die Gelegenheit zu geben Zeit mit anderen Trauernden zu verbringen, ohne dass der Schmerz im Mittelpunkt steht.

Einen Teile des Programmes haben wir gemeinsam mit der Kulturgemeinschaft entwickelt. Das Kulturprogramm ist auch offen für Menschen, die ihren Angehörigen nicht über uns bestattet haben.

Da das erste Weihnachtsfest nach einem Verlust oft sehr schwierig sind, laden wir Angehörige all-jährlich zu einer Weihnachtsfeier mit Kaffee und Kuchen, in unsere Räume in die Obere Weinsteige ein. Zentral ist hier, traurig sein zu dürfen, wenn alles fröhlich ist, allein sein zu dürfen, wenn alle anderen irgendwo hingehören. Zur Feier gehört ein Programm mit Musik und Märchen. Am wichtigsten aber sind die Unterhaltungen, die Umarmungen und für uns natürlich, die Dankbarkeit der Angehörigen für das Gefühl dazuzugehören.

Für unsere Kunden geben wir als Bestattungsinstitut einmal im Quartal eine Zeitschrift heraus. Sie heißt LebensZeiten und befasst sich mit Themen, die nach und vor der Bestattung von Bedeutung sind.

Vorsorgen heißt für uns nicht nur, dass man seinen Sarg im Voraus schon bezahlt hat. (Obwohl das natürlich auch möglich ist.) Sich dem Thema zu stellen, das Gespräch ist das Wichtige. Menschen die Möglichkeit zu geben, über Ihren eigenen Tod zu reden, ohne dabei heftige Gefühlsreaktionen auszulösen, und trotzdem ganz in ihrem Menschsein wahrgenommen zu werden. Ein bewusstes Umgehen mit dem Tod, ist ein wichtiger Ansatz in unserer Vorsorgearbeit, die nicht nur auf den finanziellen Aspekten einer Bestattungsvorsorge beruht. Manchmal werden Trauerreden im Voraus erarbeitet oder, wie im Falle einer schwerkranken jungen Mutter, ein Videomemoriam als Nachlass für ihre Kinder angefertigt.

„Den Menschen begegnen, die sich einmal um meinen Leichnam kümmern werden”, das ist hin und wieder als Thema bei unserer Kunden. Die Angst vor dem Tod können wir nicht nehmen, wohl aber die Angst vor dem Bestatter. Zu wissen, „in wessen Hände ich komme und wer mich berührt, wer mich ankleidet, wo ich liegen werde” das kann befreiend wirken und Sicherheit.

Wichtig ist uns auch, Sterben und Tod mehr in das gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken. Die Befangenheit im Umgang damit beruht oft auf Angst und Unwissenheit. Unsere westliche Gesellschaft erfährt eine gewisse Ohnmacht, wenn es um das Thema Tod geht. Durch Seminare, Besuche in Schulen (oder Besuchen von Schülern in unserem Räumen in der Oberen Weinsteige oder in unserem Abschiedshaus in der Türlenstraße), Religionsunterricht und die aktive Unterstützung von Studienprojekten leisten wir einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Trauer- und Lebenskompetenz. Einmal im Jahr nehmen wir Teil an der Langen Nacht der Museen und öffnen unser Abschiedshaus der Öffentlichkeit, um ganz ungewöhnliche Särge auch aus anderen Kulturen vorzustellen. Ein Blick auf das Andere schärft das Auge für das Eigene. Mit einer Mischung aus Kunst und Kultur versuchen wir eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Ende zu fördern und erleben einen ungemeinen Zulauf mit über 3000 Besuchern innerhalb dieser 8 Stunden.
Wir halten unter Anderem immer wieder Seminare über die folgenden Themen:

Patientenverfügung und Erbschaftsrecht
Erbschaftssteuerrecht
Mit Kindern über Tod reden
Bestattungsvorsorge
Das Leben von Hinten betrachten – Denkanstöße für ein Leben vor dem Tod
Kinder und Jugendliche in trauernden Familien
Westliche Todesvorstellungen und ihr Wandel
und natürlich wieder und immer wieder: Was macht der Bestatter eigentlich?

Des Weiteren haben wir drei Filmdokumentation gemacht und halten an verschiedenen Schulen Vorträge und Diskussionen über Tod und Trauer, Bestattungskultur und Abschied.

Schulklassen zu besuchen oder bei uns willkommen zu heißen ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Jugendlichen helfen, sich mit dem Thema schon am Anfang des Lebens auseinander zu setzten. Man lebt anders, wenn man schon am Anfang mit dem Ende versöhnt ist. Zum Bereich der gesellschaftlichen Trauer- und Lebenskompetenz gehört es auch für uns, ansprechende, kreative und transparente Schaufenster zu haben. Texte über Leben und Tod, Freude und Leiden, Verlust und Trauer sind in unseren Fenstern zu finden. Sie ermöglichen Menschen eine Auseinandersetzung mit Tod und Trauer, die ansprechend und nicht bedrohlich ist. Damit zeigen wir auch, dass wir uns als Bestatter nicht verstecken müssen und der Tod zum Leben gehört.

Wir machen unsere Arbeit gern und schämen uns nicht, das auch zu sagen. Manchmal verdutzt das die Leute.

Aber dann sagen sie immer: Ja, das merkt man. Es ist ein Privileg, Menschen in dieser Zeit begleiten zu dürfen und zu wissen:

Wir machen einen Unterschied!

Familie Haller