„Soll ich meinen Vater noch einmal sehen?“ Diese Frage stellen sich viele Menschen in den ersten Stunden nach einem Todesfall. Es gibt darauf keine allgemeingültige Antwort, aber es gibt gute Gründe, sich die Möglichkeit offenzuhalten. Dieser Beitrag erklärt, warum ein bewusster Abschied den Trauerprozess unterstützt, wie eine Abschiednahme im Bestattungshaus Haller in Stuttgart abläuft, welche Wege es zu Hause und in Pflegeeinrichtungen gibt und wann besondere Behutsamkeit angebracht ist. Wenn ein Sterbefall eingetreten ist, erreichen Sie uns rund um die Uhr unter 0711 722 09 50.

Warum hilft es, sich bewusst zu verabschieden?

Eine Todesnachricht bleibt zunächst abstrakt. Der Verstand weiß, dass ein Mensch gestorben ist, das Gefühl kommt oft erst hinterher. Wer den Verstorbenen sieht, ihn vielleicht berührt, macht aus der Nachricht eine begreifbare Wirklichkeit. Trauerbegleiterinnen und Trauerforscher beschreiben das als einen wichtigen Schritt: Erst wenn der Tod als wirklich erlebt wird, kann die Trauer beginnen.

Ein bewusster Abschied kann noch mehr. Er gibt den Hinterbliebenen etwas zu tun in einer Lage, in der sie sich oft hilflos fühlen. Die Hand halten, ein paar Worte sagen, eine Blume oder einen Brief in den Sarg legen, das alles strukturiert den inneren Übergang von „da sein“ zu „nicht mehr da sein“. Gerade nach einem plötzlichen Tod berichten Begleiterinnen, dass Angehörige, die sich verabschieden konnten, später seltener von quälenden Zweifeln und immer wiederkehrenden Vorstellungsbildern berichten.

Wichtig bleibt: Trauer verläuft bei jedem Menschen anders, und niemand muss einen Verstorbenen sehen. Es gibt kein Richtig, an dem Sie sich messen müssen. Das Sehen ist ein Angebot, kein Pflichtprogramm, und es ist genauso in Ordnung, sich anders zu verabschieden. Manche Menschen entscheiden sich erst im Verlauf dafür, wenn der erste Schock nachgelassen hat. Sprechen Sie offen mit uns darüber, was sich für Sie stimmig anfühlt.

Wie läuft die Abschiednahme im Bestattungshaus Haller ab?

Bei uns hat der Abschied seinen Raum und seine Zeit. In unseren Abschiedsräumen, etwa im Abschiedshaus in der Türlenstraße in Stuttgart, können Sie allein oder als Familie kommen, verweilen, wiederkommen. Es gibt kein Durchschleusen und keinen Zeitdruck.

Damit ein würdevoller Abschied möglich ist, versorgen wir den Verstorbenen sorgfältig. Dazu gehören das Waschen, das Ankleiden mit der Kleidung, die Sie sich wünschen, und ein behutsames Herrichten von Haaren und Gesicht. Das Ziel ist, dass der Mensch wiedererkennbar wirkt und in sich ruht, nicht, ihn zu verfremden. Der natürliche, liebevolle Umgang mit dem Verstorbenen ist für uns selbstverständlich, und Sie dürfen uns dabei begleiten, etwa beim Kämmen helfen oder eine vertraute Decke dazulegen.

Vorab sagen wir Ihnen, wie der Verstorbene aussehen wird und was Sie erwartet. Einer von uns bleibt in der Nähe, falls Sie ein Gespräch brauchen, und zieht sich zurück, wenn Sie für sich sein möchten. Erst wenn Sie es ausdrücklich möchten, wird der Sarg geschlossen.

Wo kann ich mich verabschieden: zu Hause, im Hospiz oder in der Pflege?

Der Abschied muss nicht im Bestattungshaus stattfinden. Viele Familien möchten in vertrauter Umgebung Abschied nehmen.

Eine häusliche Aufbahrung ist in Baden-Württemberg für eine begrenzte Zeit möglich. 

Der Verstorbenen darf noch 36 Stunden nach dem Tod zuhause aufgebahrt werden.

In diesem Rahmen können Sie zu Hause wachen, beten, gute Freunde und Familie einladen oder einfach da sein. Wir unterstützen Sie bei der Versorgung und klären mit Ihnen die praktischen Fragen wie Kühlung und Anzeige bei der Gemeinde.

In Hospizen und vielen Pflegeeinrichtungen ist ein Abschied im Zimmer oder in einem Abschiedsraum möglich. Angehörige dürfen dort meist mehrere Stunden bleiben, eine Kerze anzünden oder ein Ritual halten. Wir stimmen uns mit der Einrichtung ab und übernehmen anschließend die Überführung. So bleibt Zeit für den Abschied, bevor der nächste Schritt ansteht.

Soll mein Kind den Verstorbenen sehen?

Auch Kinder dürfen sich verabschieden, und vielen hilft es. Entscheidend ist, dass ein Kind altersgerecht erfährt, was es erwartet („Oma liegt ruhig da, sie ist kalt, sie atmet nicht mehr“), dass es frei entscheiden darf und dass eine vertraute Person die ganze Zeit dabei ist. Drängen Sie nicht und fordern Sie keine Berührung ein, bieten Sie sie nur an. Wenn ein Kind nicht möchte, sind ein gemaltes Bild, ein Brief oder eine Blume am geschlossenen Sarg ein guter Weg. Ausführlich gehen wir darauf in unserem Beitrag zum Sprechen mit Kindern über den Tod ein.

Was, wenn mir das Sehen schwerfällt oder ich unsicher bin?

Unsicherheit ist normal, und Sie dürfen sich jederzeit anders entscheiden, auch im letzten Moment vor der Tür. Niemand sollte Sie unter Druck setzen mit Sätzen wie „Das musst du tun, sonst bereust du es“. Wenn Ihnen der direkte Anblick zu viel ist, gibt es Zwischenwege: ein Abschied am geschlossenen Sarg, ein Blick aus etwas Entfernung, ein Foto oder die Übergabe eines persönlichen Gegenstands.

Besondere Behutsamkeit braucht es, wenn ein Mensch nach einem Unfall, einem Suizid oder einer schweren Erkrankung sichtbar verändert ist. In solchen Fällen sprechen wir vorher ausführlich mit Ihnen, richten den Verstorbenen so weit wie möglich her und überlegen gemeinsam, ob und wie ein guter Abschied möglich ist. Manchmal ist ein eingeschränkter Blick oder ein symbolischer Abschied der stimmigere Weg. Sie entscheiden, wir begleiten Sie dabei.

Wenn Sie über eine Abschiednahme nachdenken oder unsicher sind, sprechen Sie uns an. Wir nehmen uns Zeit für ein vertrauliches Gespräch, ohne auf die Uhr zu schauen. Für die Zeit danach steht Ihnen außerdem unser monatliches Trauercafé offen.

Wie kann ich mich auf den Abschied vorbereiten?

Ein wenig Vorbereitung nimmt die Unsicherheit. Diese Punkte helfen vielen Menschen:

  • Überlegen Sie, wer mitkommen soll. Niemand muss allein gehen. Oft tut es gut, einen vertrauten Menschen an der Seite zu haben.
  • Nehmen Sie sich etwas mit, wenn Sie möchten: eine Blume, ein Foto, einen Brief, einen vertrauten Gegenstand, den Sie in den Sarg legen können.
  • Es gibt keine richtige Dauer. Manche bleiben wenige Minuten, andere eine ganze Stunde. Sie dürfen auch zwischendurch hinausgehen und wiederkommen.
  • Sie müssen nichts sagen. Manche sprechen mit dem Verstorbenen, andere sind einfach still. Beides ist in Ordnung.
  • Planen Sie einen Moment für danach. Ein kurzer Spaziergang, ein Gespräch, ein Kaffee. Der Abschied wirkt nach, und es hilft, nicht sofort in den Alltag zu hetzen.
  • Vielleicht mögen Sie am Sarg ein bestimmtes Musikstück hören, das Sie mit dem Verstorbenen verbinden.

Wir besprechen all das vorher mit Ihnen, damit Sie wissen, was Sie erwartet, und sich auf das Wesentliche konzentrieren können: den Abschied.

Häufige Fragen zur Abschiednahme

Soll ich einen Verstorbenen noch einmal sehen?

Das entscheiden Sie. Ein bewusster Abschied hilft vielen Menschen, den Tod zu begreifen und die Trauer zu beginnen. Ein Zwang besteht aber nicht, und ein Abschied auf andere Weise ist genauso richtig.

Warum tut der bewusste Abschied der Trauer gut?

Das Sehen und Berühren macht aus der abstrakten Nachricht eine begreifbare Wirklichkeit. Das erleichtert vielen den Einstieg in die Trauer und kann spätere Zweifel und belastende Vorstellungsbilder verringern.

Wie wird der Verstorbene für die Abschiednahme hergerichtet?

Er wird gewaschen, in die gewünschte Kleidung gekleidet und behutsam an Haaren und Gesicht versorgt. Ziel ist ein ruhiges, wiedererkennbares Erscheinungsbild, nicht eine Verfremdung.

Darf ich einen Verstorbenen zu Hause aufbahren?

In Baden-Württemberg ist eine häusliche Aufbahrung für bis zu 36 Stunden möglich. Die praktischen Fragen klären wir mit Ihnen.

Sollen Kinder einen Verstorbenen sehen?

Mit guter Vorbereitung, freier Entscheidung und einer vertrauten Begleitperson hilft es vielen Kindern. Möchte ein Kind nicht, sind ein Bild, ein Brief oder eine Blume am geschlossenen Sarg gute Alternativen.

Was ist, wenn der Verstorbene durch einen Unfall stark verändert ist?

Dann bereiten wir Sie im Gespräch darauf vor, richten den Verstorbenen so weit wie möglich her und überlegen gemeinsam, ob ein Abschied am offenen oder besser am geschlossenen Sarg stimmiger ist.

Wo kann die Abschiednahme stattfinden?

In unseren Abschiedsräumen, zum Beispiel im Abschiedshaus in der Türlenstraße in Stuttgart, oder in der Oberen Weinsteige in Degerloch, zu Hause im Rahmen einer häuslichen Aufbahrung oder in Hospizen und Pflegeeinrichtungen oder direkt vor der Trauerfeier auf dem Friedhof. 

Quellen (Stand Juni 2026)