Die Beerdigung:
Wissenswertes, Hintergründe und Kosten

Historisches
Gegenwärtiges
Ritus und Ablauf
Umgangsformen
Kleidung
Bestattungstiefe
Kosten

Historisches

Die Beerdigung ist im christlichen Abendland schon vor sehr langer Zeit zur üblichen Form der Bestattung geworden. Zuvor, als Naturreligionen verbreitet waren, war die Feuerbestattung häufiger vertreten. Den Wandel brachte das Jahr 875: Damals machte Karl der Große die Erdbestattung zur christlichen Begräbnisform – offiziell und verpflichtend, als klare Abgrenzung zu den vorausgegangenen Traditionen. Diese Umstellung war vor allem dem Glauben an eine leibliche Auferstehung geschuldet, den das frühe Christentum mit sich brachte. Dadurch wurden Körperbestattungen wichtig.

Erst Anfang der 19. Jahrhunderts wurden Feuerbestattungen in Deutschland wieder populärer. Auch die katholische Kirche erlaubt seit dem zweiten Vatikanischen Konzil eine Feuerbestattung, immer vorausgesetzt, dass diese nicht aus Protestgründen stattfinden soll. Die Kirchenväter gaben aber auch vor: Die Beerdigung soll Katholiken noch immer als die Norm gelten. Für ihre Furcht vor Feuerbestattungen gab es Gründe. Unter anderem den, dass diese Form der Bestattung Ende des 18. Jahrhunderts in Mode gekommen war; Freimaurer und andere Freigeister wählten sie als einen Ausdruck von Widerstand gegen die Kirche.

Bei einer Beerdigung ist der Körper noch eine Zeitlang Ausdruck der Persönlichkeit. Bei der Feuerbestattung verschwindet dieser Zusammenhang fast gänzlich. Die Erdbestattung betont sozusagen die Einheit von Leib und Seele über den Tod hinaus.

 

Gegenwärtiges

In der Region Stuttgart halten sich Erdbestattungen und Feuerbestattungen in etwa die Waage. Allerdings zeigt sich in den letzten Jahren ein leichter Trend zurück zu Beerdigung. Eine Erklärung dafür könnte eine neue, größere Sehnsucht nach Natur und Erdverbundenheit sein.

Im süddeutschen Raum sind Beerdigungen weiter verbreitet als im norddeutschen Raum, auf dem Land sind sie stärker vertreten als in der Stadt. Im Osten Deutschlands und in Berlin werden 90 Prozent der Verstorbenen eingeäschert, in Hamburg etwa 70 Prozent.

 

Ritus und Ablauf

Bei einer Beerdigung findet das gesamte Bestattungsritual an einem Stück statt, der Ort dafür ist der Friedhof. Die Gäste treffen sich vor der Feierhalle auf dem Friedhof. Die Trauerfeier findet in der Friedhofskapelle statt, und danach geht die Gemeinschaft gemeinsam zum geöffneten Grab, um den Verstorbenen der Erde zu übergeben.

Da unterscheidet sich von den Abläufen die Beerdigung von der Feuerbestattung. Bei einer Feuerbestattung mit Feier am Sarg findet das Ritual oft in zwei Teilen statt. Es gibt die Trauerfeier, dann die Einäscherung des Verstorbenen im Krematorium, und erst dann kann die die Urne im Grab beigesetzt werden.

Vorgeschrieben ist in Deutschland, dass Beerdigungen auf einem Friedhof stattfinden müssen. Es wäre nicht legal, einen Toten außerhalb eines Friedhofes zu beerdigen. Das ist fast überall in Europa so geregelt, nur nicht in England, wo auch eine Beerdigung auf privatem Grundstück legal wäre – sie wird aber sehr selten praktiziert.

Trotzdem ist nicht das komplette Ritual an den Friedhof gebunden. Man kann die Trauerfeier auch anderswo abhalten und den Verstorbenen im Sarg vor seiner Beerdigung an einen anderen Ort bringen lassen. Eine solche Feier für eine Beerdigung kann auch in einer Kirche stattfinden, die dem Friedhof nahe liegt. In Stuttgart kennt man dies besonders in der Petruskirche in Gablenberg und der Markuskirche im Lehenviertel, da die dortigen Friedhöfe keine eigenen Feierhallen haben. Die beiden Kirchen sind evangelisch, aber offen für alle Mitglieder des Arbeitskreises christlicher Kirchen. Dies bedeutet, dass die Trauerfeier für eine katholische Beerdigung auch in der evangelischen Kirche stattfinden kann. (Freie Redner allerdings dürfen in den Kirchen keine Feiern durchführen.)

Besonders große Trauerfeiern können vor der Beerdigung auch in entsprechende Säle verlegt werden, in einem Theater oder andere Räumlichkeiten, die dafür geeignet sind. Hierzu braucht es keine Genehmigung – nur die Erlaubnis des Besitzers. Nach der Feier wird der Verstorbene dann zur Beerdigung auf den Friedhof überführt.

Wo auch immer die Feier war, an ihrem Ende wird der Verstorbene – nun zu seiner tatsächlichen „Beerdigung“ – meist auf einem Wagen ans Grab gefahren. Getragen werden Tote meist nur für die letzten Meter. Ein Geistlicher oder ein Redner verabschieden den Toten. Dann wird der Sarg ins Grab gelassen, entweder von den anwesenden Trägern oder, beispielsweise auf den Friedhöfen in Ostfildern, von einer Sargversenkungsvorrichtung.

Am Grab stehen oft Erde und Blüten zur Verfügung, damit die Trauergäste sie beim persönlichen Abschied ins Grab geben können.

 

Umgangsformen bei einer Beerdigung

Bei einer Beerdigung ist es nicht ungewöhnlich, dass die direkten Angehörigen, nachdem sie selbst am offenen Grab Abschied genommen haben, neben dem Grab stehen bleiben. Dort nehmen sie Beileidsbekunden entgegen. Manchmal signalisieren Angehörige nach der Beisetzung am Grab aber auch, dass es ihnen lieber ist, dass ihnen nicht kondoliert wird, vielleicht indem sie in einer kleinen Gruppe nach innen gewandt zusammen stehen.

Wenn Sie Gast einer Beerdigung sind, müssen Sie Ihr Beileid nicht in Worte fassen. Oft genügt eine stille Umarmung oder ein fester Händedruck. Wenn Sie etwas sagen möchten, aber Worte wie „Mein herzliches Beileid“ heute nicht mehr zeitgemäß finden, könnten Sie alternativ beispielsweise diese Formulierungen verwenden: Es tut mir so leid. Ich kann es gar nicht glauben. Ich mochte Ihre Mutter sehr. Er wird uns fehlen.

Bei einer Beerdigung bringen Gäste oft Blumen mit, um sie in das Grab zu geben. Achten Sie aber darauf, dass Papier und Verpackungen schon vor dem Grab entfernt werden. Wer laut raschelt, hat oft das Gefühl, in der Stille viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

 

Kleidung bei einer Beerdigung

In der Region Stuttgart trägt man bei Beerdigungen meist schwarz oder dunkle Kleidung. Außer, wenn ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass farbige Kleidung erwünscht ist.

Denken Sie bei einer Beerdigung daran, dass Sie den Weg zum Grab zu Fuß gehen müssen. Beachten Sie auch, dass der Boden direkt am Grab sehr matschig sein kann, nicht nur nach üppigem Regen.

In Stuttgart ist es möglich, für eine Beerdigung einen Rollstuhl beim Garten- und Friedhofsamt zu bestellen.

Man kann bei einer Beerdigung auch Stühle am Grab aufstellen lassen für jene Menschen, die nicht so lange stehen können.

 

Bestattungstiefe bei einer Beerdigung

Ein Einzelgrab bei der der Erdbestattung wird auf 180 cm Tiefe angelegt.
Sollte zu einem späteren Zeitpunkt ein weiterer Sarg hinzukommen, muss diese Entscheidung ganz am Anfang der Laufzeit gefällt werden, damit das Grab dann 240 cm ausgehoben werden kann.

 

Kosten einer Beerdigung

Die Kosten einer Beerdigung setzen sich wie folgt zusammen:

 

Kosten des Bestatters für

  • die Organisation der Beerdigung,
  • den Sarg,
  • die Überführung des Verstorbenen,
  • Versorgen und Herrichten des Verstorbenen,
  • Aufbahrung und Kühlung,
  • Abmeldungen bei Standesamt und anderen Ämtern,
  • Zugang zum Formalitäten-Portal Columba (einfaches Erledigen jeglicher Abmeldungen),
  • je nach Friedhof die Träger,
  • Grabkreuz oder andere Form der Grabmarkierung.

Hierfür sollten Sie mindestens 2.300,- Euro einplanen.

 

Kosten der Kommune für

  • das Grab, den Grabaushub, die Feierhalle,
  • eventuell Träger zum Grab,
  • Reihengrab, Grabaushub und Verwaltung.

Auch hierfür fallen Kosten in Höhe von mindestens 2.300,- Euro an. Allerdings sind die städtischen Gebühren rund um eine Beerdigung recht komplex. Jede Gemeinde legt ihre eigene Gebührenstruktur und Beträge fest. Mehr Informationen finden Sie hier.

 

Kosten des Gärtners für

  • Blumenschluck für den Sarg
  • Grünschmuck für die Feierhalle
  • Kränze für die Feierhalle und das Grab
  • Transport des Blumenschmuckes an das Grab

Man kalkuliert hier ab etwa 150,- Euro für ein Sarggesteck plus Grünschmuck ab 165,-

  

Kosten für Grabpflege nach einer Beerdigung

Ein paar Monate nach der Beerdigung, nachdem die Erde sich gesetzt hat, kann das Grab bepflanzt werden. Will man mit Bodendeckern begrünen, empfiehlt es sich, ein ganzes Jahr zu warten. In der Zwischenzeit kann das Grab mit Zweigen abgedeckt werden.

Die Pflege eines Erdgrabs mit drei Anpflanzungen im Jahr kostet etwa 300,- Euro jährlich.

Kosten des Steinmetzes bei einer Beerdigung für

  • Entfernung eines eventuell bereits stehenden Grabsteines,
  • Beschriftung eines Grabsteines,
  • Wiederaufstellen oder Neuerrichten einen Steines,
  • Einholen von Genehmigungen.

Ergänzt man Beschriftungen auf einem bestehenden Stein, liegen die Kosten bei etwa 800,- Euro.

Kommt nur eine Urne in das Erdgrab muss der Stein meist nicht entfernt werden.

Bei einer Erdbestattung sollten Sie für den Steinmetz Kosten ab 4.000,- Euro kalkulieren, wenn es um einen neuen Grabstein geht.